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Preisverleihung: Justus Bier Preis für Kuratoren 2017

Ausgezeichnet wurden Dr. Andreas Beitin, Dr. Brigitte Franzen und Holger Otten

22.03.18,20:00

Der diesjährige Justus Bier Preis für Kuratoren geht an die Kuratoren Andreas Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten für die Ausstellung Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MoMA im Ludwig Forum für Internationale Kunst.

„Es ist toll, wenn die kuratorische Arbeit solche öffentliche Wertschätzung erfährt“, freuen sich Andreas Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten. „Die Konzeption einer solchen Ausstellung dauert mehrere Jahre und es steckt viel Forschungsarbeit dahinter“, erläutern die Kuratoren. Brigitte Franzen konzipierte die weltweit erstmalige Ausstellung der weltberühmten Collagen von Ludwig Mies van der Rohe seit 2013. Das Projekt wurde von Andreas Beitin und Holger Otten eigenständig und konsistent weiter entwickelt und 2016 eröffnet.

Neben den Bauten und Möbeln des in Aachen geborenen Architekten stellen die großformatigen Collagen einen eigenständigen Teil seines Werkes dar. In der Ausstellung wurden sie durch Kunstwerke der Klassischen Moderne sowie zeitgenössischen Videos und Fotografien kontextualisiert. Die Publikation zur Ausstellung, bietet mit zahlreichen Texten international renommierter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen  zahlreiche neue Forschungen zum Werkkomplex. Sie wird im Rahmen der Preisvergabe besonders gewürdigt.

Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 22. März 2018, 20 Uhr im Rahmen der Ausstellungseröffnung Valdis Āboliņš. und wie FLUXUS nach Aachen kam im Ludwig Forum für Internationale Kunst statt.

 

Ausgezeichnet wurden Dr. Brigitte Franzen, Dr. Andreas Beitin und Holger Otten für das Ausstellungsprojekt „Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MoMA“ (28.10.16 – 12.02.17)

 

Nachfolgend finden Sie die Pressemitteilung der Helga Pape-Stiftung Jens und Helga Howaldt Hannover.

Der mit 5.000 € dotierte Justus Bier Preis für Kuratoren –  seit 2009 zum neunten Mal vergeben –  geht in diesem Jahr an

Andreas Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten

Ausgezeichnet werden sie für das Projekt und den Ausstellungskatalog

Mies van der Rohe: Montage Collage, Ludwig Forum Aachen, Museum Georg Schäfer Schweinfurt, 2017

 

Aus der Begründung der Jury:

Der Justus Bier Preis widmet sich Ausstellungsprojekten und Publikationen, die durch eine originelle Themenstellung und eine fundierte fachliche Aufarbeitung beeindrucken. Beides ist nach Meinung der Jury mit dem Projekt zu den Montagen und Collagen von Mies van der Rohe beispielhaft gelungen. Zwar ist Mies van der Rohe ein weltbekannter Architekt, dessen Werk bis heute Anlass für unzählige Untersuchungen bildet, allerdings fehlte bislang eine systematische monografische Gesamtdarstellung seiner Collagen und Fotomontagen. Dies ist umso bemerkenswerter, als gerade dieser Teil des Werkes einen umfassenden Einblick in das Denken Mies van der Rohes bietet. Den Herausgebern gelingt es, eben jenen panoramatischen Aspekt dieser Werkgruppe mustergültig deutlich zu machen. In den profunden Beiträgen einflussreicher amerikanischer Architekturtheoretiker wie Barry Bergdoll, Dietrich Neumann oder Martino Stierli wird darüber hinaus nicht nur der künstlerisch eigenständige Charakter des Collagenwerks deutlich, sondern auch die besondere Bedeutung, die diese Arbeiten im Hinblick auf das Raumkonzept Mies van der Rohes hatten. Zu Recht legen Ausstellung und Katalog einen besonderen Schwerpunkt auf die in den Collagen sichtbare Verbindung zwischen Bildender Kunst und Architektur. Dabei  zeigt sich zum einen der ausgesprochen freie, fast postmoderne Umgang des Architekten mit der Kunst, andererseits aber auch seine Bindung an die wichtigen europäischen Avantgardebewegungen der 1920er Jahre. Dass die Ausstellung für das Ludwig Forum in Aachen entwickelt wurde und damit in der Geburtsstadt des Architekten, wo er bis zu seinem 19. Lebensjahr lebte, macht das Projekt auch geostrategisch zu einem Glücksfall. Dies umso mehr, als mit dem Georg Schäfer Museum in Schweinfurt als zweiter Station der Schau die Stadt in den Blickpunkt rückt, für die Mies van der Rohe von 1960-1963 einen – allerdings unrealisierten – pavillonartigen Museumbau plante, der dann zur Grundlage für seine weltberühmte Neue Nationalgalerie in Berlin werden sollte.

 

Der Justus Bier Preis für Kuratoren

Der mit 5.000 € dotierte Justus Bier Preis wird jährlich verliehen. Er wird getragen von der ‚Helga Pape Stiftung Jens und Helga Howaldt‘, Hannover.

Mit ihm sollen fachlich und sprachlich herausragende Publikationen in Zusammenhang mit Ausstellungsprojekten aus dem deutschsprachigen Raum ausgezeichnet werden, die sich mit der bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts befassen. Eine vergleichbare Auszeichnung für kuratorische Leistungen gab es zuvor nicht.

Die Stifter des Preises ebenso wie die Jury sind der Auffassung, dass die Arbeit von Kuratoren mehr Aufmerksamkeit verdient, als das heute der Fall ist. Schließlich ist die sprachliche und fachliche Auseinandersetzung zwischen Kunst und Kurator eine der Grundlagen der Arbeit, die in Museum und Ausstellungshaus geleistet wird.

Der Preis geht zurück auf eine Anregung von Dr. Carl Haenlein, Direktor der Kestner Gesellschaft Hannover von 1974 bis 2002.

 

Die bisherigen Preisträger/-innen

2009 Christiane Meyer-Stoll, Kuratorin am Kunstmuseum Liechtenstein, als Herausgeberin des Katalogs der Sammlung Rolf Ricke sammlungrolfricke einzeitdokument

2010 Markus Heinzelmann, Direktor Museum Morsbroich, Leverkusen und Doreen Mende, freie Kuratorin, Berlin, für ihr Projekt Candida Höfer Projects done

2011 Roland Nachtigäller, Direktor MARTA Herford, mit Friederike Fast, Michael Kröger und Markus Richter für Projekt und Katalog Wir sind alle Astronauten Universum Buckminster Fuller im Spiegel zeitgenössischer Kunst

2012 Ralf Beil, Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt (seit 2015 Direktor des Kunstmuseum Wolfsburg) und Peter Kraut, Basel, für Projekt und Katalog A House full of Music Strategien in Musik und Kunst

2013 Johan Holten, Direktor der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und Friedrich Meschede, Direktor der Kunsthalle Bielefeld für Projekt und Ausstellungskatalog Auf Zeit – Was hinter dem Putz steckt (Staatliche Kunsthalle Baden-Baden) bzw. Auf Zeit. Wandbilder – Bildwände (Kunsthalle Bielefeld)

2014 Bogomir Ecker, Raimund Kummer, Friedemann Malsch und Herbert Molderings für das Projekt und den Ausstellungskatalog Lens based Sculpture (Akademie der Künste, Berlin; Kunstmuseum Liechten¬stein)

2015 Stephanie Weber, Kuratorin an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München für das Projekt und den Katalog: Lea Lublin: Retrospective.

2016: Inge Herold, stellvertretende Direktorin an der Kunsthalle Mannheim, und Karoline Hille, freie Publizistin und Kuratorin, für das Projekt und den Ausstellungskatalog: Hannah Höch – Revolutionärin der Kunst. Das Werk nach 1945, (Kunsthalle Mannheim, anschließend: Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr)

 

Die Jury

  • Dr. Stephan Berg, Intendant Kunstmuseum Bonn (Vorsitzender der Jury seit 2015)
  • Lars Brandt, Schriftsteller, Bonn
  • Carl Haenlein, Hannover (Vorsitzender der Jury bis 2014)
  • Thomas Wagner, Kritiker, Heppenheim/Bergstraße
  • Thomas Weski, Kurator an der Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt, Berlin

 

Justus Bier (1899 Nürnberg – 1990 Raleigh, NC)

Justus Bier (1899 – 1990) war von 1930 bis 1936 Direktor der Kestner Gesellschaft in Hannover. Da Justus Bier Jude war, sind seine Entlassung und der Abbruch seines konsequent der modernen Kunst gewidmeten Programms immer wieder durch die Nazis gefordert worden. Jedoch hat Justus Bier weder sein Programm geändert, noch wurde er vom Vorstand der Kestner Gesellschaft abberufen. Im Zusammenhang mit seiner Franz Marc Ausstellung im Jahre 1936 wurde das Institut durch die Gestapo geschlossen.

Nach der gelungenen Emigration in die USA übernahm Justus Bier eine Professur für Kunstgeschichte an der University of Louisville, Kentucky. 1961 wurde er Leiter des Allan R. Hite Art Institutes und dann Direktor des Museums in Ralleigh, North Carolina.

Justus Bier zeichnete sich einerseits durch seinen Einsatz für die moderne Kunst aus – noch 1935 zeigte er in der Kestner Gesellschaft Emil Nolde, August Macke und Erich Heckel. Franz Marc folgte 1936. Andererseits bewies er durch seine Forschungen zu Tilman Riemenschneider und Veit Stoß ein tiefes Verständnis für die Geschichte der Kunst. Bis auf den heutigen Tag sind seine Arbeiten über Riemenschneider Meilensteine der Forschung geblieben.

 

Vita Preisträger/-in:

Dr. Andreas Beitin (*1968) studierte Kunstgeschichte, Angewandte Kulturwissenschaften sowie Neuere und Neueste Geschichte. Nach seiner erfolgten Promotion war er von 2004 bis 2016 am ZKM | Museum für Neue Kunst, Karlsruhe, tätig. Nachdem er zunächst in verschiedenen wissenschaftlichen und kuratorischen Positionen gewirkt hat, übernahm er im Jahr 2010 die Leitung des Museums. Während seiner Tätigkeit im ZKM war er als Kurator und Co-Kurator für die Konzeption und Realisierung von vielen international beachteten Ausstellungen verantwortlich. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Texte im In- und Ausland publiziert und Vorträge gehalten; darüber hinaus trat er als Herausgeber verschiedener Publikationen in Erscheinung. Andreas Beitin wirkt seit vielen Jahren in zahlreichen Kunstjurys und wissenschaftlichen Gremien mit. Seit Februar 2016 ist er Direktor des Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen.

 

Dr. Brigitte Franzen (*1966) ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin. Sie ist Vorstand und Geschäftsführerin der Peter und Irene Ludwig Stiftung, die weltweit mit 28 Museen und Institutionen aus dem Bereich der Bildenden Kunst verbunden ist. 2009-2015 war sie Direktorin des Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen. Von 2005-2008 arbeitete sie als Kuratorin für Kunst ab 1960 am Westfälischen Landesmuseum und war dort mit Kasper König und Carina Plath Kuratorin der Skulptur Projekte Münster 2007, dem internationalen Referenzprojekt für Kunst im öffentlichen Raum. 2005 gründete sie das Skulptur Projekte Archiv in Münster, das 2007 erstmals ausgestellt wurde.

Seit 1993 hat sie zahlreiche Ausstellungsprojekte zur Kunst und Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts verantwortet, darunter Die Siedlung Dammerstock 1929 (1997), skulptur projekte münster 07 (2007), Stephen Willats (2008), West Arch – A New Generation in Architecture (2010), Hyper Real – Kunst und Amerika um 1970 (2011), Susan Philipsz (2011), Nie wieder störungsfrei-Aachen Avantgarde seit 1964 (2011), Phyllida Barlow (2012), Nancy Graves Project (2013), Kinderkönigreich – Pawel Althamer und Freunde laden ein (2014), Ostwärts. Sowjetische Kunst in der Sammlung Ludwig (2015), Le Souffleur. Schürmann trifft Ludwig (2015), Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MOMA (2016)

 

Holger Otten (*1975) M.A., studierte Kunstgeschichte, Deutsche Philologie und Neuere Geschichte in Köln und Basel. Er war ab 2004 als freier Kurator, Autor und Lektor tätig und arbeitet seit 2010 als Kurator im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen. Jüngste Ausstellungen: ›dis/order. Art and Activism in Russia since 2000‹ (2017/18); ›Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MoMA‹, zusammen mit Andreas Beitin (2016/17). Jüngste Veröffentlichungen: „Architecture, Painting, and Sculpture as a Creative Unity“, Über das Verhältnis von Kunst und Architektur bei Mies van der Rohe, in: Mies van der Rohe. Montage Collage, hg. v. A. Beitin, W. Eiermann und B. Franzen, London 2016; Between One Time and Another, in Camera Austria, Heft 135, 2016; How to create a new game? Im Gespräch mit Paweł Althamer, in: Aachen Projects 1992/2010/2014, hg. v. E. Boehle, B. Franzen und P. Potoroczyn, London 2016.

Info

Jülicher Straße 97–109
52070 Aachen
Tel. +49 241 1807-104
Fax +49 241 1807-101

info@ludwigforum.de

Öffnungszeiten

Di–So 10–17 Uhr
Do 10–20 Uhr
Montags geschlossen

Bibliothek: Di–Fr 13–17 Uhr

Geschlossen: 24.12., 25.12., 31.12., 01.01., Fettdonnerstag, Karnevals-
sonntag und Rosenmontag

Preise

Eintrittspreise (Kunst x Kuba/ 08.09.17–18.02.18)
Erwachsene 10 €
Ermäßigt 6 €
Gruppen ab 8 Pers. 6 €/Pers.
„Six for Six“-Karte 14 € (ermäß. 10 €)
„Auf ins Museum“-Karte 12 €
Alle unter 21 Jahren: Eintritt frei!

Ab sofort:
Zentis-Tag: Jeden Donnerstag freier Eintritt!