Kunstpreis Aachen 1983 bis heute

Der Kunstpreis Aachen wird vom Verein der Freunde des Ludwig Forum, der Stadt Aachen und der Aachener Wirtschaft gestiftet. Er wird alle zwei Jahre von einer internationalen Jury an prominente Künstler vergeben, denen die internationale Kunstszene wesentliche Impulse verdankt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung ist mit einer Ausstellung im Ludwig Forum verbunden.

 

Kunstpreis Aachen 2018: Walid Raad

Walid Raad, geboren 1967 in Chbanieh, Libanon, ist einer der führenden Künstler seiner Generation. Als Teilnehmer der Documenta 11 und 13 sowie zahlreicher weiterer Ausstellungen, u.a. in Zürich, Paris, London, Neapel und Berlin, ist er in den letzten Jahren auch in Europa einem breiteren Publikum bekannt geworden. Nach zahlreichen internationalen Auszeichnungen wurde er nun von der Jury einstimmig mit dem Aachener Kunstpreis 2018 ausgezeichnet. Walid Raad lebt und arbeitet derzeit in New York. In seinem vielschichtigen und medial breit angelegten Werk aus Fotografien, Videos, Installationen, Skulpturen und Performances setzt sich Walid Raad mit verschiedenen Themen auseinander: Geschichte und Historizität, individuelle und kollektive Erinnerung, die Auswirkungen von Gewalt auf Geist, Körper, Tradition und Kunst, Faktizität und ihre Vermittlung, Fotografie und die Frage nach dem Dokument. Walid Raads Œuvre besteht im Wesentlichen aus drei großen Werkkomplexen: „The Atlas Group“ (1989-2004), „Scratching on things I could disavow“ (2007 – heute) und „Sweet Talk: Kommissionen“ (1987 – heute).

„The Atlas Group“ besteht aus einem künstlerischen Archiv von Notizbüchern, Filmen, Videos und Fotografien, die sich auf die Ereignisse rund um die Kriege in seiner Heimat Libanon konzentrieren, die Raad 1983 verließ. Raad hat eine Reihe von Dokumenten erstellt, welche die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des Schreibens, Dokumentierens und Erinnerns an die Geschichte von Ereignissen extremer Gewalt ausloten. Sein Archiv umfasst sowohl imaginäre als auch historische Personen, Situationen und Artefakte.

„Scratching on things I could disavow“ besteht aus einer Reihe von Skulpturen, Fotografien, Installationen, Videos und Performances, die der Entstehung neuer Geschichten, Ökonomien, Institutionen und Sammlungen rund um die „arabische Kunst“ gewidmet sind. Raad geht von der Entstehung großer neuer Museen in Abu Dhabi, Doha, Beirut und anderswo im Nahen Osten aus, um zu untersuchen, wie Kunstwerke materiell, aber auch immateriell von den Kriegen betroffen sind, die die Region in den letzten Jahrzehnten heimgesucht haben.

„Sweet Talk: Aufträge“, war Raads längstes Kunstprojekt. Es besteht aus Tausenden von Fotografien, die Raad seit 1987 in Beirut produziert hat. Nach weiteren ausführlichen Dokumentarfilmen wie Walker Evans in den USA, Bernd und Hilla Becher in Deutschland oder Jean Eugène Auguste Atget in Paris folgen Raads Arbeiten Beiruts sich ständig verändernde Landschaft während der heißen und kalten Kriege.

Die künstlerischen Wurzeln von Walid Raads Kunstprojekten sind mit westlicher Konzeptkunst und postkonzeptionellen Praktiken wie denen von Hannah Höch, Hans Haacke, Sherrie Levine, Joseph Beuys und anderen verbunden. Seine Performance-Arbeiten spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Genres der Lecture-Performance.

Die Begründung der Jury:

„Mit Walid Raad zeichnet die Jury einen Künstler aus, dessen Praxis für eine deutliche Erweiterung des Kanons der Kunst über Europa und die USA hinaus steht. Das mehrjährige Projekt des Künstlers mit dem Titel „The Atlas Group“ lenkte den Blick nicht nur auf die verworrene Geschichte des Nahen Ostens, sondern stellte zudem wichtige Fragen über das Verhältnis von Fakten und Fiktion in historischen Narrativen. Die Arbeiten Walid Raads überzeugen gleichermaßen durch ästhetische Präzision und durch ihre hohe Dichte an konzeptionellen Verweisen, weshalb die Jury mit ihm eine ausgezeichneten Persönlichkeit für den diesjährigen Aachener Kunstpreis gefunden hat.“

Jury des Kunstpreis Aachen 2018: Dr. Andreas Beitin, Direktor Ludwig Forum Aachen; Ernst Höhler, Verein der Freunde des Ludwig Forums e.V.; Johan Holten, Direktor Staatliche Kunsthalle Baden-Baden; Christiane Mennicke-Schwarz, Direktorin Kunsthaus Dresden; Susanne Titz, Direktorin Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach.

The Atlas Group/ Walid Raad, Let’s be honest, the weather helped: Saudi Arabia, 1998/2006, Pigmented inkjet print, 46,8 x 72,4 cm © The Atlas Group, Courtesy Gallery Sfeir-Semler and Paula Cooper Gallery.

 

Bisherige Preisträger

Franz Erhard Walther (2016)
Jury: Prof. Dr. Pia Müller-Tamm (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe), Dr. Thomas Köhler (Berlinischen Galerie), Rein Wolfs (Bundeskunsthalle, Bonn), Dr. Andreas Beitin (Ludwig Forum Aachen), Ernst Höhler (Verein der Freunde des Ludwig Forums e.V.).

Paulina Olowska (2014)
Jury: Dr. Ulrike Groos, Direktorin Kunstmuseum Stuttgart; Sabine Breitwieser, Museum der Moderne, Salzburg; Dr. Brigitte Franzen, Direktorin, Ludwig Forum, Aachen; Ernst Höhler, Vorsitzender Verein der Freunde des Ludwig Forums e.V.

Phyllida Barlow (2012)
Jury: Marion Ackermann (Kunstsammlung NRW, Düsseldorf), Chris Dercon (Tate Modern, London), Brigitte Franzen (Ludwig Forum, Aachen), Ernst Höhler (Verein der Freunde des Ludwig Forum) und Dirk Snauwaert (Wiels Centrum voor Hedendaagse Kunst, Brüssel)

Pawel Althamer (2010)
Jury: Joachim Plum (Kuratorium Kunstpreis Aachen), Ulrich Wilmes (Haus der Kunst, München), Rein Wolfs (Kunsthalle Fridericianum, Kassel), Markus Heinzelmann (Museum Morsbroich, Leverkusen), Brigitte Franzen (Ludwig Forum, Aachen)

Aernout Mik (2008)
Jury: Stephan Berg (Kunstmuseum Bonn), Wim van Krimpen (Gemeentemuseum Den Haag), Sir Norman Rosenthal (Royal Academy of Arts, London), Harald Kunde (Ludwig Forum, Aachen)

Roman Signer (2006)
Jury: Paula van den Bosch (Bonnefantenmuseum, Maastricht), Bernhard Mendes Bürgi (Kunstmuseum Basel), Veit Görner (kestnergesellschaft, Hannover), Harald Kunde (Ludwig Forum, Aachen)

Andreas Slominski (2004)
Jury: Wulf Herzogenrath (Kunsthalle Bremen), Enrico Lunghi (Casino Luxembourg, Luxemburg), Britta Schmitz (Hamburger Bahnhof, Berlin), Harald Kunde (Ludwig Forum, Aachen)

Tacita Dean (2002)
Jury: Theodora Fischer (Laurenz-Stiftung, Basel), Baert de Baere (Museum voor Hedendaagse Kunst, Antwerpen), Thomas Kellein (Kunsthalle Bielefeld), Harald Kunde (Ludwig Forum, Aachen)

Michael Asher (2000)
Jury: Saskia Bos, Carla Schulz-Hoffmann, Ulrich Loock, Wolfgang Becker

Richard Tuttle (1998)
Jury: Vincente Todoli, Thomas Deecke, Dieter Schwarz, Wolfgang Becker

Katharina Fritsch (1996)
Jury: Markus Brüderlin, Klaus Bussmann, Bice Curiger, Wolfgang Becker

Christian Boltanski (1994)
Jury: Suzanne Pagé, Uwe M. Schneede, Hendrik Driessen, Wolfgang Becker

On Kawara (1992)
Jury: Katharina Schmidt, Harald Szeemann, Jean Louis Froment, Wolfgang Becker

Ilya Kabakov (1990)
Jury: Maria Corral, Bernard Ceysson, Jan Hoet, Wolfgang Becker

Richard Long (1988)
Jury: Nicolas Serota, Kasper König, Dieter Ronte, Wolfgang Becker

A.R. Penck (1985)
Jury: Jean-Christophe Ammann, Klaus Gallwitz, Wolfgang Becker

Luciano Fabro (1983)
Jury: Achille Bonito Oliva, Rudi Fuchs, Alfred Pacquement, Wolfgang Becker

Info

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52070 Aachen
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