Sammlungsschwerpunkt: Osteuropa I
Fragmente einer Wirklichkeit, die einmal war
Begegnungen mit der Ukraine in der Sammlung Ludwig
Das Ludwig Forum für Internationale Kunst beherbergt rund 1800 Malereien, Skulpturen und Grafiken aus der ehemaligen Sowjetunion sowie Mittel-, Ost- und Südosteuropa, die Irene und Peter Ludwig zwischen 1979 und 1996 gesammelt haben.
Obgleich Teile der „osteuropäischen“ Sammlung bereits mehrfach in Ausstellungs- und Publikationsprojekten präsentiert wurden, beschränkten sich diese meist auf die Kunst Russlands und die Bearbeitung bereits bekannter Werke und etablierter künstlerischer Positionen. Das Forschungsprojekt „Sammlungsschwerpunkt: Osteuropa“ setzt bewusst einen Gegenakzent zu diesem bisherigen Fokus: Sie widmet sich insbesondere dem künstlerischen Schaffen und den Entwicklungen in bislang weniger erforschten Regionen und hinterfragt kritisch die kunsthistorische sowie politische Vormachtstellung Russlands.
Ziel des Projekts ist es, ausgewählte Gruppen der ehemaligen Sowjetrepubliken in Bezug auf ihre künstlerischen Positionen und Werke entlang aktueller kunst- und kulturwissenschaftlicher Diskurse neu zu kontextualisieren und den westlichen Blick auf „osteuropäische Kunst“ kritisch zu reflektieren. Darüber hinaus werden das Verhältnis der offiziellen und inoffiziellen Kunstszene sowie der einzelnen Künstler*innen zur kulturellen Zentralmacht in Moskau untersucht und regionale Kontexte beleuchtet. Unscharfe Kategorisierungen, Terminologien und Kontextualisierungen – sei es geografisch, politisch oder kunsthistorisch – werden einer Revision unterzogen, um ein differenziertes Bild über Herkunft, Autor*innenschaft und Kontext der Werke zu gewinnen.
Im Rahmen des Forschungsvolontariats NRW 2023-2024 wurde unter dem Stichwort „Sammlungsschwerpunkt: Osteuropa I“ eine erste Neusichtung, Neuverortung und Erforschung von Teilen dieser Sammlung realisiert, die in der Vergangenheit unter dem Schlagwort „Kunst aus der UdSSR“ inventarisiert wurden und über die es zuvor nur wenige Informationen gab. Neben einer Beschäftigung mit der Sammlungshistorie und dem Beginn der Erstellung eines Glossars wichtiger Diskursbegriffe zur „osteuropäischen Kunst“ erforschte die Volontärin Dr. Galina Dekova ein Konvolut künstlerischer Arbeiten, die auf unterschiedliche Weise Verbindungen zur Ukraine aufweisen. Ihre Forschungsarbeit mündete schließlich unter dem Titel Fragmente einer Wirklichkeit, die einmal war. Begegnungen mit der Ukraine in der Sammlung Ludwig ((link)) in eine Ausstellung mit 28 Werken von 20 Künstler*innen, zu der sie eine begleitende Broschüre ((link)) mit ihren Forschungsergebnissen präsentierte. Begleitet wurde das Projekt von Vorträgen des Künstlers Yuri Leiderman und der Kunsthistorikerin Dr. Klara Kemp-Welch.
Forschungsvolontärin
Dr. Galina Dekova
Das Forschungsvolontariat wurde gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.
Credits: Fragmente einer Wirklichkeit, die einmal war. Begegnungen mit der Ukraine in der Sammlung Ludwig (14.03.2024–20.03.2025), Ausstellungsansicht Ludwig Forum Aachen, Fotos: Mareike Tocha.