Ende der 1960er Jahre wurden Video und Film zu gängigen ästhetischen Ausdrucksformen der zeitgenössischen Kunst. Das Videoarchiv des Ludwig Forums umfasst rund 200 Arbeiten aus der künstlerisch bedeutsamen Phase der 1960er und 1970er Jahre. Viele davon sind substanziell für die Geschichte des künstlerischen Bewegtbildes. Die Videokunst der 1970er Jahre war eine Pionierphase, geprägt von der Verfügbarkeit tragbarer Video- und Filmkameras. Sie nutzte das Medium, um sich von etablierten Kunstformen und dem Fernsehen abzugrenzen. Zentrale Themen waren Körperlichkeit, Identität, feministische Kritik, die Reflexion des Mediums selbst sowie soziokulturelle Analysen. Zu ihren ästhetischen Mitteln zählen Spiegelungen, Lichtbrechungen, technische Manipulationen sowie spielerische Momente, Ironie und Humor.
Body matters präsentiert zehn Arbeiten, in denen sich die Künstler*innen auf unterschiedliche Weise dem Thema Körperlichkeit nähern: Der Körper als künstlerisches Medium und im Verhältnis zum Raum oder ausgewählten Gegenständen; Selbst- und Fremderfahrung von Identität; Interaktion und Hinterfragung von Machtverhältnissen.
Aus der Einsicht, dass Körper auf vielfältige Weise politisch sind, entstand in den 1970er Jahre in den USA der Begriff body politics – getragen von neuen sozialen Bewegungen und vor allem der Frauenbewegung, deren zentraler Slogan „The personal is political“ [Das Persönliche ist politisch] lautete. Künstlerischer Feminismus nutzte die Medien Film und Video, um etablierte Geschlechterrollen, patriarchale Strukturen, stereotype Familien- und Frauenbilder, Schönheitsideale und die Objektivierung des weiblichen Körpers, zu analysieren. Nicht zuletzt ging es um die freie Selbstbestimmung über den eigenen Körper.
Mit Arbeiten von Marina Abramović und Ulay, John Baldessari, Ron Hays, Joan Jonas, Hakudō Kobayashi, Robert Morris, Bruce Nauman, Jacques-Louis Nyst, Ulrike Rosenbach
Kuratiert von Holger Otten
Credit: Bruce Nauman, Wall/Floor Positions (Wand/Boden Positionen), 1968, 60 Min., Betacam SP, s/w, Ton, digitalisiert, Videoarchiv Ludwig Forum Aachen. Bild: Ludwig Forum Aachen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026