Anlässlich des Auftakts von Christina Kubischs Electrical Walks in Aachen, laden wir herzlich zu den zwei Impulsvorträgen Electrical Walks 2003–2026. Elektromagnetische Erkundungen von Christina Kubisch und Sonotopien. Sound Mapping zwischen auditiver Welterschließung und spekulativer Zukunftspraxis von Dr. Anna Schürmer (Medientheoretikerin Freie Universität Berlin) ein. Im Anschluss findet ein Künstlerinnengespräch statt moderiert von Rebekka Seubert.
Prof. Christina Kubisch
Electrical Walks 2003–2026. Elektromagnetische Erkundungen
Christina Kubisch (geb. 1948 in Bremen), gehört zur ersten Generation der Klangkünstler*innen. Nach Studienaufenthalten in Deutschland und der Schweiz lebte sie bis 1987 in Mailand. Als ausgebildete Flötistin und Komponistin trat sie schon früh mit Projekten im Schnittfeld von Bildender Kunst, Medien und Musik in Erscheinung. In den 70er Jahren waren es vor allem genderkritische Video-Performances, gefolgt von raumbezogenen Klanginstallationen mit magnetischer Induktion und anderen meist selbstentwickelten audiovisuellen Mitteln, an denen sie seit den 1980er Jahren arbeitet. 2003 begann sie die Serie der Electrical Walks, Klangspaziergänge im öffentlichen Raum, wobei sie das Publikum mit speziellen elektromagnetischen Kopfhörern zu einer bisher unbekannten Art der akustischen Wahrnehmung der Alltagswelt einlädt.
Christina Kubisch lehrte nach Gastprofessuren in Maastricht, Paris und Oxford von 1994 bis 2013 als Professorin an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, wo sie den Fachbereich „Klangkunst“ gründete. Seit 1997 ist sie Mitglied der Sektion Musik der Akademie der Künste Berlin. Ihre Installationen, Kompositionen und audio-visuellen Arbeiten werden weltweit auf internationalen Festivals sowie in Museen und Galerien gezeigt. Für Ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien, zuletzt den Preis der Musik-Biennale von Venedig (2021) für die beste Uraufführung, den Giga-Hertz Preis (2021) vom ZKM für ihr Lebenswerk und den Musikautor*innenpreis der Gema für Elektronische Musik (2025). Christina Kubisch lebt und arbeitet in Berlin. www.christinakubisch.de; www.electricalwalks.org
Prof. Dr. Anna Schürmer
Sonotopien. Sound Mapping zwischen auditiver Welterschließung und spekulativer Zukunftspraxis
Der Begriff Sonotopien verbindet das Klingende (sonare) mit dem Ort (topos) – und bezeichnet also Klangorte ebenso wie Formen der Verortung durch Zu- und Hin-Hören. Fieldrecordings und Audio-Walks lassen sich in diesem Sinne als Verfahren auditiver Welterschließung verstehen: Mithilfe von Mikrofonen, Antennen und unseren Ohren werden die Klanglandschaften und Soundscapes der Welt vermessen und erfahrbar – als ein Zusammenspiel von Natur, Kultur und Technik. Zugleich schwingt im Begriff der Sonotopie ein spekulatives Moment mit: Klingende Utopien einer besseren Welt – und Resonanzen dessen, wie sie sein und klingen könnte. Im Sinne des Futuring als proaktivem Prozess zur Gestaltung von Zukunft, wird Klang als ein Medium verstanden, das Weltverhältnisse nicht nur abbildet, sondern durch Imagination hervorbringt: Musicking Future – making Zukunftsmusik.
Anna Schürmer ist seit 2026 Ernst-von-Siemens Musikstiftungsprofessorin an der Freien Universität Berlin; zuvor war sie seit 2023 Juniorprofessorin für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. In ihrer akademischen Arbeit vertritt sie interdisziplinäre Perspektiven und Diskurse im Kontext von ›Musik und Medien‹ (Sound Studies). konkret: intersektionale Ansätze in der Musikforschung (Queer Musicology), spekulative Formen klangbezogener Wissensproduktion (Musicking Future – Futuring Music) sowie auditive Perspektiven der künstlerischen Forschung (Acoustic Research). Ihr besonderes Ohrenmerk gilt Neuer und elektronischer (Club-)Musik. Jenseits von Akademia ist *anna auch Musikjournalistin tätig: sie moderiert, hält Soundlectures, leitet Listening Sessions und veröffentlicht regelmäßig in diversen Print-, Funk- und Online-Medien. Weitere Informationen: www.interpolationen.de.
Credit: Christina Kubisch, Electrical Walk Chemnitz, 2022 Foto: Archiv Kubisch