Amy Sillman. Oh, Clock!

Amy Sillman
Oh, Clock!
22. März – 31. August 2025
Eröffnung: Freitag, 21. März 2025, 19 Uhr

Oh, Clock! ist die erste große Einzelausstellung der New Yorker Malerin Amy Sillman (*1955 in Detroit) im deutschsprachigen Raum. Sie beleuchtet die langjährige kritische Auseinandersetzung der Künstlerin mit der Geschichte der Malerei auf und jenseits der Leinwand und eröffnet umfassende Einblicke in ihre vielseitigen und hybriden Systeme.

Oh, Clock! besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil der Ausstellung ist eine konzentrierte Auswahl von Sillmans Arbeiten der letzten zehn Jahre zu sehen, darunter 24 Malereien, über 300 Zeichnungen, Grafiken und Collagen, mehrere große Installationen und digitale Animationen. Beim zweiten Teil handelt es sich um eine kuratorische Sammlungsintervention der Künstlerin: An diagonal verlaufenden, von ihr bemalten Wänden präsentiert sie mehrere Dutzend, von ihr ausgewählte Werke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig in Aachen.

Seit den frühen 1990er Jahren erforscht und erweitert Sillman die Malerei anhand von materiellen und konzeptuellen Untersuchungen. Sie greift auf die Poetik des Collagierens zurück, folgt der Logik von Büchern und Filmen und bringt musikalische Techniken wie Improvisation und Partituren zum Einsatz, die ihrer Malerei als eine Art Anleitung dienen. Ihre künstlerische Entwicklung ist geprägt vom New York der 1970er Jahre und den künstlerischen Auseinandersetzungen dieser Zeit zwischen visuellen und sprachlichen Ausdrucksformen sowie persönlichen und politischen Formen kritischen Denkens. Statt eine oberflächliche Kritik von Malerei als „kommerzielles“ Medium zu fokussieren, orientierte sich Sillman an Vorgänger*innen, die experimentelle Ansätze in Kunst, Philosophie, Poesie und Film verfolgten. Gleichzeitig blieb sie der Tradition der Abstraktion verbunden, etwa den Texten von Gertrude Stein und den Animationen von Robert Breer. Künstler*innen wie Philip Guston, Lee Krasner, Joan Mitchell, Eva Hesse, Nancy Spero, Elizabeth Murray, Ida Applebroog und Jack Whitten bilden zentrale Bezugspunkte ihres Denkens. Wie die Kunsthistorikerin Jenny Nachtigall im Ausstellungskatalog schreibt, „bewegt sich Sillmans Werk oft im Schwellenraum zwischen Wörtern und Bildern, Abstraktion und Expression, Bedeutung und Empfindung.“ Ihre malerischen Gesten verhandeln feste Kategorien und erkunden Momente von Ambivalenz, Fragilität, Affekt und Zweifel.

Der Titel Oh, Clock! verweist auf das anhaltende Interesse der Künstlerin, Malerei als zeitbasiertes Medium zu aktivieren. Jede Arbeit spiegelt unterschiedliche Zeiteinheiten und -modi wider. Die großformatigen Leinwände entstehen intuitiv und analytisch über lange Zeiträume, manchmal bis zu einem Jahr. In dieser Zeit werden sie Schicht für Schicht übermalt, zerstört und überarbeitet. „In den Bildern steckt Zeit – die Zeit ihrer Entstehung, die den Betrachter*innen weitgehend verborgen bleibt. Ich mag es, die unteren Schichten freizulegen, um darüber nachzudenken, wie die Zeit darin verpackt ist“, erklärt Sillman zur Ausstellung. Sich ausbreitende Zeichnungen machen ihren künstlerischen Prozess von Moment zu Moment nachvollziehbar. Um Zeit auch innerhalb von Architektur zu arrangieren, bedient sie sich mechanischer Mittel wie Animation und Drucktechniken. Temporary Object (2023), auf einem langen Regal im Foyer der Ausstellung zu sehen, zeigt anhand gedruckter Diagramme die vielen Veränderungen während der Entstehung einer Malerei, ohne das endgültige Bild zu zeigen. In Untitled (Frieze for Venice) (2021) sequenziert sie die Zeit in einem choreografierten, raumfüllenden Zyklus von Arbeiten, die über einen Zeitraum von zwei Jahren entstanden. „Ich schneide immer, verunstalte, übermale, lösche, füge hinzu, kratze weg, hole zurück, setze fort und kehre um. Das Digitale hat mir nur ein nützliches Werkzeug an die Hand gegeben, mit dem ich in der Zeit vor und zurück gehen kann nicht nur kumulativ vorwärts wie bei einer gemalten Oberfläche.“ Die Besucher*innen der Ausstellung Oh, Clock! befinden sich in einem „unendlichen Kreislauf einer Zeitspirale“, wie die Kunsthistorikerin Julia Bryan-Wilson bemerkt, in dem Amy Sillman Geschichten der Malerei endlos erweitert und neu erschafft.

Kuratiert von Eva Birkenstock
Kuratorische Assistenz: Mailin Haberland und Anna Marckwald

Amy Sillman. Oh, Clock! ist eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern.

Zur Ausstellung erscheint die Publikation Amy Sillman. Oh, Clock! mit Beiträgen von Julia Bryan-Wilson, Sabeth Buchmann, Rose Higham-Stainton, Michelle Kuo, Jenny Nachtigall und einem Gespräch zwischen Amy Sillman, Eva Birkenstock und Kathleen Bühler im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung, Victor Rolff Stiftung, Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland und die Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Aachen.

Abbildung: Amy Sillman, UGH for 2023 (Torsos), 2023-24. Courtesy of the artist.

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