Double Wall Project: Ulrike Müller

Die Wandbilder Paper Body (ghost) und Paper Body (pointer) von Ulrike Müller (beide 2023), sind temporäre Monumentalisierungen zweier kleinformatiger Collagen, die für die Architektur im Ludwig Forum entsprechend vergrößert als Farbflächen auf die Wand übertragen wurden. Die einzelnen ‚Papierschnipsel‘ der Collagen wurden dabei zu abstrakten, zum Teil mehrschichtig in Schwammtechnik aufgetragenen Farbelementen. In den unteren Bereichen des rechten Wandbildes Paper Body (pointer) hat Ulrike Müller eine Gruppe von sechs Collagen der Serie Instrumentarium, 2021, integriert. Wie auch die Vorlagen der Wandbilder sind sie während der Coronapandemie entstanden, um in einer Zeit verschobener Realitäten die eigenen Instrumentarien, und damit die Formen, Farben und Methoden ihres künstlerischen ‚Papierkörpers‘ zu befragen und als Werkzeuge auf einzelnen Blättern auszubreiten. Die Miniatures (2014), eine Gruppe von 13 kleinen Emaillearbeiten auf der Stirnwand des Treppenaufgangs, sowie das Muster des für die Ausstellung gedruckten Stoffs der Sitzbank setzen dieses Spiel mit Größenverhältnissen und Materialübersetzungen fort.

Seit 2013 verwendet Ulrike Müller für die architektur- und ortsbezogene Installation ihrer Ausstellungen farbig gestrichene Wände. Mit The Conference of the Animals (A Mural), 2020, im New Yorker Queens Museum rückte das Wandbild selbst in den Vordergrund. Waren in Queens noch Zeichnungen und Druckgrafiken auf der bemalten Wand installiert, fungierte dieses wie auch die folgenden Wandbilder verstärkt als eigenständige Arbeiten. Dabei kommen unterschiedliche Verfremdungsstrategien zum Einsatz: In der gemeinsam mit Manuela Ammer für das mumok in Wien konzipierten Sammlungspräsentation Das Tier in Dir, 2022, war die Verzerrung durch Schattenwurf motivgebend für die Wandbilder; bei der Arbeit In Pieces (Traklhaus, Salzburg, 2023) waren es die Fragmentierung, Vergrößerung und Wiederholung einzelner visueller Versatzstücke einer kleinen Collage auf den Wänden der Ausstellungsräume. In den monumentalen Räumlichkeiten des Ludwig Forums greift Ulrike Müller schließlich auf diese Strategie der Vergrößerung, des regelrechten Aufblasens ihrer Arbeit zurück. Indem sie das Modell des Museums im Zentrum des Lichtturms ausstellt, eröffnet sie Fragen nach Maßstab, Verortung und Relationen nicht nur innerhalb ihres Schaffens, sondern sie stellt gleichermaßen die institutionellen und räumlichen Verhältnisse des Ausstellungsraums selbst zur Disposition. Neben Fragen über die Distribution von Größe und Wert zwischen einem Blatt Papier einerseits und der größten Wand eines Museums andererseits hinterfragt die Arbeit auch das Verhältnis von Zeichnung und Malerei, den Status von Malerei in der Sammlung von Peter und Irene Ludwig, von Sammlung und Architektur, von Besucher*in und Institution.

Anlässlich der Einzelausstellung Monument to My Paper Body von Ulrike Müller (09.12.2023–18.08.2024) wurde die von Harald Kunde initiierte Double Wall Projects-Reihe (2004–08) aufgegriffen, bei der Künstler*innen im jährlich wechselnden Turnus eingeladen waren, die beiden monumentalen Wände des Museums als künstlerische Interventionsfläche zu aktivieren. Seit Dezember 2023 ist die Reihe wieder fester Bestandteil des Ausstellungsprogramms am Ludwig Forum Aachen.

 

Foto: Mareike Tocha

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