Die dreiteilige Multi-Monitor-Installation Earth, Moon, Sun (1990) des Videokünstlers Nam June Paik (1932–2006) zählt zu den zentralen Werken der Aachener Bestände aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig. Im Jahr 1991 erwerben die Ludwigs die Arbeit in der Düsseldorfer Galerie Hans Mayer als erstes Werk des Künstlers für ihre Sammlung.
Der ursprünglich aus Korea stammende und später in Amerika lebende Künstler Nam June Paik gilt als Vater der Videokunst. Seine Begeisterung für die Musik Arnold Schönbergs bringt ihn in den 1950er Jahren von Tokyo nach Deutschland, wo er u.a. John Cage (1912–1992) und Joseph Beuys (1921–1986) kennenlernt. 1958 bis 1963 lebt er im Rheinland und arbeitet gemeinsam mit dem Komponisten Karlheinz Stockhausen (1928–2007) im Studio für elektronische Musik des WDR in Köln. Von der Musik, über die Aktionskunst und die Fluxus-Bewegung führt sein Weg zur Medienkunst. Als einer der ersten seiner Zeit arbeitet Paik ab 1965 mit einer eigenen, tragbaren Videokamera.
Schon früh entstehen so die ersten sogenannten Multi-Monitor-Installationen, die einen spezifischen Formgedanken zum Ausdruck bringen und in Paiks Spätwerk vermehrt skulpturale Gestalt annehmen, wie auch die Arbeit Earth, Moon, Sun. Vor dem Hintergrund seines Interesses an technischem Fortschritt, spiegelt diese Arbeit Paiks wiederkehrende Beschäftigung mit Weltraum, dem Planetensystem sowie der Raumfahrt wider. Zugleich zeigt sie seine Faszination für das Zusammenspiel von Natur und Technik. Beides versteht er nicht als gegensätzlich, sondern begreift, wie sie miteinander verschmelzen und harmonieren können. Zwischen Sonne und Mond erhebt sich dementsprechend der große, metallene Erdball aus einem Kreis blühender Margariten. Er ist aus einzelnen, zusammengeschweißten Aluminiumfragmenten und 36 verbauten JVC-Röhrenfernsehern gefertigt. Die Monitore zeigen in schnell wechselnden Sequenzen Videoausschnitte von Planeten, Vögeln, Fischen, Menschen, Technik, Wissenschaft und Umwelt, die Paik aus bereits bestehenden Filmen unterschiedlicher Herkunft neu zusammenschneidet und manipuliert. Zugleich verbildlichen die Monitore, die durch schwarze Kabel miteinander verbunden sind, das über die Erde verteilte, pulsierende Leben vor dem Hintergrund globaler Vernetzung. Sonne und Mond leuchten an der Wand kontrastreich durch helle Neonröhren in kräftigem Rot und strahlendem Weiß. Neben den abgerundeten Bildschirmen im Design der 1960er Jahre ziert eine marmorne Beethovenbüste die Mondsichel. In ihr begegnet der technische Bezug zu Astronomie und Raumfahrt dem Mond als kulturhistorisch immer wieder zitierte Quelle künstlerischer Inspiration.
Im Zeitraum von Juli 2024 bis März 2026 durchlief Earth, Moon, Sun einen umfassenden Restaurierungsprozess, der in einem offenen Restaurierungslabor von den Besuchenden des Museums nachvollzogen werden konnte. Nun ist die Arbeit wieder vollständig hergestellt zugänglich.
Die Restaurierung der Arbeit Earth, Moon, Sun wurde unterstützt von der Peter und Irene Ludwig Stiftung und dem Ministerium für Kunst und Wissenschaft des Landes Nordthein-Westfalen. Kooperationspartner: RWTH Aachen University.
Foto: Nathan Ishar